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Forschung VS
Am 29. Dezember 1969 konstituierte sich in Bern ein Patronatskomitee bestehend
aus den Herren Prof. Dr. Eduard Studer (Uni Freiburg, Vorsitz), Prof. Dr. Paul Zinsli
(Uni Bern), Dr. Anton Gattlen (Kantonsbibliothekar, Sitten), Dr. Josef Guntern (Chef
des Kantonalen Mittelschulamtes, Sitten) und Theodor Werlen (Kantonsgeometer,
Sitten), das einen Arbeitsplan für eine Orts- und Flurnamensammlung des Oberwallis
mit dem Ziel eines künftigen Oberwalliser Namenbuches entwarf. Am 24. März 1970
reichte Prof. Dr. E. Studer ein Gesuch beim Nationalfonds für drei Jahre ein. Als
Explorator, der die Sammlung der Orts- und Flurnamen im Gelände durchführen
sollte, wurde Prof. Marcus Seeberger, Gymnasiallehrer in Brig vorgeschlagen. Der
Nationalfonds bewilligte das Gesuch, dem später zwei weitere folgten, welche die
Erhebung der historischen Belege aus den Oberwalliser Gemeinde-, Pfarrei- und
Privatarchiven vorsahen. Der Kanton Wallis beteiligte sich an allen drei Gesuchen
durch die Bereitstellung von Räumen und die Entpflichtung des Explorators von
Stunden am Kollegium Spiritus Sanctus in Brig, sowie durch die Kosten einer halben
Sekretariatsstelle. Ein viertes Gesuch an den Nationalfonds wurde nicht mehr
bewilligt. Prof. Seeberger führte aber die Aufbereitung der Sammlung auf freiwilliger
Basis weiter. Er erfasste zusammen mit seiner Frau die lebenden und historischen
Orts- und Flurnamen auf Karteizetteln und ordnete sie nach Bezirken und
Gemeinden. Er erarbeitete weiter einen Vorschlag für die Publikation der Namen.
Nach dem Tod von Prof. Studer und dem altersbedingten Ausscheiden von Prof.
Zinsli aus dem Komitee blieb aber die Weiterarbeit liegen.  
 
Nach einem ersten Kontakt 1991 zwischen Prof. Seeberger und Prof. I. Werlen
konstituierte sich ein neues Kuratorium mit den folgenden Mitgliedern: Prof. Walter
Haas (Uni Freiburg), Prof. R. Ramseyer (Uni Bern), Dr. Josef Guntern (Chef
Mittelschulamt, Sitten), Gaston Michlig (Kantonsgeometer, Sitten), Prof. I. Werlen
(Uni Bern, Vorsitzender). Das Kuratorium wurde vom Staatsrat des Kantons Wallis
am 3. Juli 1996 offiziell ernannt. Dr. Wulf Müller, Mitarbeiter am Glossaire des patois
de la Suisse romande, sicherte seine Unterstützung für den Bereich der
romanischen Ortsnamen zu; er wurde 2000 ebenfalls in das Kuratorium gewählt. Die
Namensammlung befindet sich seit August 1993 im Büro des Universitären
Forschungszentrums für Mehrsprachigkeit (UFM) in Brig (gegenwärtig an der Alten
Simplonstrasse 39) und steht dort Benützerinnen und Benützern zur Verfügung.  
 
1996: Neuanfang der Bearbeitung.
 
Als ersten Schritt beschloss das neue Kuratorium, die bestehende Zettelsammlung
in eine elektronische Datenbank einzugeben. Finanziert wurde die Eingabe durch
verschiedene Geldgeber (Walliser Delegation der Loterie romande,
Hochschulstiftung der Universität Bern, Institut für Sprachwissenschaft der
Universität Bern, Geschichtsforschender Verein Oberwallis, Private). Bis Ende 2002
wurden insgesamt rund Fr. 125'000.- gesammelt. Davon konnten mehrere
Studierende angestellt werden, zuerst René Pfammatter aus Visp, der die
Datenbank aufbaute und Softwareanpassungen für die phonetische Umschrift und
die historischen Belege. Später konnte Martin Clausen aus Visp zusätzlich angestellt
werden; er wechselte jedoch später zum Berner Ortsnamenbuch und wurde durch
Valentin Abgottspon aus Staldenried ersetzt. Nachdem auch René Pfammatter aus
beruflichen Gründen das Orts- und Flurnamenbuch verliess, wurde er durch Claude
Beauge aus Raron ersetzt. Von den sechs Bezirken des Oberwallis sind heute drei
Bezirke (Goms, Östlich-Raron und Brig) vollständig eingegeben, der Bezirk Visp ist
in Bearbeitung; einzelne Teile anderer Bezirke sind ebenfalls eingegeben. Insgesamt
wurden bis Ende 2002 rund 34'000 Karteikarten bearbeitet, die rund 32'000
Namensbelege umfassen, die zu rund 9'000 verschiedenen Namen gehören.
 
2001: Unterstützung durch den Nationalfonds.
 
Im Herbst 2000 wurde dem Nationalfonds ein neues Gesuch für die Redaktionsarbeit
unterbreitet. Es wurde für ein Jahr genehmigt mit einem Betrag von rund Fr.
105'000.-. Als wissenschaftliche Mitarbeiter konnten Anne-Lore Bregy, lic. ès lettres,
und Dr. Werner Bellwald gewonnen werden. Sie begannen im September 2001 mit
der Einarbeitung und dem Aufbau der Namenartikel. Leider verliess auch Dr. W.
Bellwald das Unternehmen; er wurde für kurze Zeit von Stefan Würth, lic. phil., aus
Zürich ersetzt. Ein Verlängerungsgesuch wurde ab dem 1. Oktober 2002 für zwei
Jahre bewilligt mit einer Summe von ca. Fr. 195'000.-. Gabrielle Schmid, lic. phil., die
zuvor an einem Projekt zu den Schweizer Gemeindenamen gearbeitet hatte,
übernahm die Stelle von Stefan Würth.
 
Die Redaktionsarbeit an den Namenartikeln für das Orts- und Flurnamenbuch
schreitet voran. Bis Ende 2002 sind etwa 200 Entwürfe für Namenartikel entstanden.
Die Fülle des vorhandenen Materials und die vielen Orts- und Flurnamen, die nur
ein- oder zweimal vorkommen, erschweren die Redaktionsarbeit. Das Ziel ist es, alle
Namenartikel bis ins Jahr 2007 verfasst zu haben.

 
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